Aus welchem Bewusstsein handelt Ihr Unternehmen

Aus welchem Bewusstsein handelt Ihr Unternehmen

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Spiral Dynamics und Organisationale Bewusstseins Stufen (nach Beck und Cowan, 2008) [i]

Das Wesentliche an Spiral Dynamics ist die Erkenntnis, dass es keine besseren oder schlechteren Entwicklungsstufen gibt, sondern sich ein relevantes Set von Werten abbildet, das einen Handlungsrahmen gibt für Individuen, Gruppen, Organisationen und Nationen. Dabei stellt dieses Set an Werten und Überzeugung ein „optimales Funktionieren“ auf dieser Stufe dar. Mit der Fortentwicklung des Bewusstseins ändern sich gleichzeitig auch die Paradigmen und dadurch die notwendigen und förderlichen Werte, die ein neues Denken und Verhalten ermöglichen. Und die Weltgemeinschaft steht gerade wieder an so einem Punkt, dem Sprung vom „First Tier-“ zum „Second Tier-Bewusstsein“. Anders als Vertreter von Theorien des Weltuntergangs oder der Zerstörung der Erde, glaube ich an einen möglichen Quantensprung im Bewusstsein von vielen Individuen auf der ganzen Welt, die sich nach und nach vernetzen und so dem Gesamtsystem zum Durchbruch verhelfen auf die nächsthöhere Bewusstseinsstufe. Im Second Tier-Bewusstsein haben wir Zugang zur kollektiven Intelligenz, mit der wir integrale Lösungen finden werden für die drängenden Probleme und Herausforderungen der Menschheit. Meines Erachtens sind wir nicht auf dem Weg zur Zerstörung, sondern auf dem Weg zur kreativen Ablösung unseres First Tier-Bewusstseins. Mit dem Modell der Spiral Dynamics haben wir jetzt ein valides Diagnosemodell nicht nur für Individuen, sondern auch für Organisationen und Gesellschaftssysteme und können auf dieser Basis  mit unserer Bewusstseinsarbeit gezielt anfangen. Also lassen Sie uns in den einzelnen Bewusstseinsstufen erforschen, was sie auszeichnet und welche Bedeutung sie für die Ordnung der Märkte haben.

Potenzialstufen  1.0 – 9.0

Innerhalb der vier Potenzialräume können wir die unternehmerisch organisationalen Bewusstseinsstufen erforschen, aus denen heraus das Unternehmen handelt, das ist sozusagen die Betriebssoftware Windows, Mac OX oder Linux. Sie erinnern sich vielleicht, wir sprachen bereits über die Frage, wie die Ordnung der Unternehmen 7.0 vs 5.0 aussieht? Die meisten Unternehmen operieren derzeit überwiegend im „orangen Bewusstsein 5.0“ mit den Hauptwerten Wachstum, Erfolg, Rationalität, dem linear kausalen Denken und der Überzeugung „der Bessere gewinnt“. Wenn wir hier stehen blieben, würden wir die Chance eines evolutionären Wachstums verpassen, das in der Lage ist, Antworten auf globale Herausforderungen zu finden, indem wir dem Kern, der Essenz oder der unternehmerischen DNA näher kommen und damit das Warum beleuchten. Die Kraft des Warum hat das Potenzial zu einer vernetzten, globalen Wirksamkeit wie bei Apple, Tesla oder Google

 

Stufe 5.0 – Die orange Ordnung: Das strategische Unternehmen

Der Sprung nach orange bedeutet den Aufbruch in die Neuzeit. Vernunft, Konkurrenz, Effizienz und die Überzeugung „Der Bessere gewinnt, die anderen verlieren“ gewinnen an Bedeutung. Der Markt wird der moderne Kriegsschauplatz für Unternehmen. Unternehmen in diesem Bewusstsein entwickeln Kulturen und Strategien, die auf Wettkampf, Wettbewerb und Freiheit basieren. Der eigene Erfolg steht im Mittelpunkt. Mit dem aufgeklärten Vertrauen in Vernunft scheint jede Aufgabe lösbar. Der IQ bestimmt die Richtung, wenn alle Fakten bestmöglich analysiert und bewertet werden. Das Marktverhalten wird entsprechend adaptiert, entweder differenzieren wir uns oder wir erreichen Kostenführerschaft, so wie es die meisten Unternehmen weltweit anwenden, nach den Strategieoptionen von Michael E. Porter aus den 90er-Jahren.[i] „Erfolgreich ist, wer öfter gewinnt als verliert.“ Diese Betrachtung, einer an sich hervorragenden Qualität, nämlich Wettbewerb der besten Ideen und Fähigkeiten, wie sie auch z. B. in der deutschen Fußball Nationalmannschaft stattfindet, werden aber in dieser Bewusstseinsstufe der meisten Unternehmen zu einseitig ausgelegt und ohne nähere Betrachtung der Umwelt und des Sozialen. Oft werden die richtigen Dinge getan, aber aus einer falschen Motivation heraus – Angst oder Gier. Die Konsequenz ist neben kurzfristigen Höchstleistungen u. a. auch Burn-out. Kennzeichnende Werte sind hier: Leistung, Status, Verantwortung, Karriere, Wettbewerb, Zielsetzung, Gewinnorientierung und unternehmerisches Denken.

 

Stufe 6.0 – Die grüne Ordnung: Das soziale Netzwerk

Aus diesem Denken resultiert das grüne Bewusstsein, das für eine Balance zwischen den Subsystemen steht. Wertschätzung, Ebenbürtigkeit, Partnerschaft und Augenhöhe ziehen ein. Alle sitzen in einem Boot, also gewinnen oder verlieren alle zusammen – eine Tugend, die möglicherweise den FC Bayern in der Saison 2012/2013 zum Triple-Sieger der Bundesliga, des Pokals und der Champions League gemacht hat. Die einstigen Einzelgänger, wie z. B. Superstar Arjen Robben, haben angefangen für die Mannschaft zu arbeiten, für jeden Ball zu kämpfen und auch in der Verteidigung auszuhelfen. Und das schwächste Glied in der Kette bestimmte das Tempo. Die Bedürfnisse aller werden in die Waagschale geworfen. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg[ii] gewinnt hier eine relevante Bedeutung, jedoch wird die Gleichmacherei zu einem lähmenden Schatten, es werden die Bedürfnisse aller Beteiligten so lange erforscht, bis der Zweck des Projektes, der Aufgabe oder des Unternehmens aus den Augen verloren geht. Kennzeichnende Werte sind dabei: Kooperation, Weltoffenheit, Toleranz, Harmonie, Konsens, Verantwortung für den Anderen, Empathie, Gleichwertigkeit, Wertschätzung, Fairness, Menschenrechte, langfristige Erfolgssicherung, persönliches und zwischenmenschliches Wachsen.

 

Second Tier-Bewusstsein

Stufe 7.0 – Die gelbe Ordnung: Der systemische Prozess

Aus dieser Einebnung entspringt das gelbe Bewusstsein. Es ist die erste höhere Bewusstseinsebene, die vom Haben zum Sein geht. Sie wird auch als der Sprung in das Second Tier-Bewusstsein bezeichnet. Vertrauen in Intuition und Inspiration werden zur treibenden Kraft, neue Wege in Unternehmen gehen zu wollen. Das scheinbare Paradoxon „entweder oder“ wird aufgelöst in ein „sowohl als auch“ und zu einem möglichen dritten Weg transformiert. Das lineare Denken ist ausgereizt und erbringt keine weiteren Fortschritte mehr. Hier beginnen Partnerschaften, Netzwerke, Allianzen, Kooperationen, weil die Aufgabe für ein einzelnes Unternehmen auf den globalen Märkten zu groß wird. Im Luftverkehr kennen wir diese Allianzen bereits: „Star Alliance“, die von Lufthansa und Singapore Airlines und vielen weiteren Unternehmen angeführt wird. Aus dem Automobilbau sind Kooperationen im Rahmen der milliardenschweren Forschung in die Elektromobilität notwendig geworden und so ergeben sich Partnerschaften zwischen einstigen Konkurrenten Toyota und BMW, Opel und PSA, FIAT und Chrysler, um nur einige zu nennen.

Doch nicht nur Ressourceneffizienz bestimmt das Handeln aus einer Logik des linearen Denkens, sondern auch die Atomisierung der Märkte, der zunehmenden Volatilität, schlicht der Unvorhersehbarkeit von globalen Entwicklungen in Gesellschaften, Systemen und Märkten. Obendrein erleben wir mit der Generation Y weltweit eine Veränderung der Gewohnheiten, Bedürfnisse, Lebenswirklichkeiten und damit auch des Konsumverhaltens. Das gelbe Bewusstsein schafft das Paradoxon aus Konsum, Kultur und Ökologie aufzulösen. „Benutzen statt Besitzen“ ist die Devise, weil die Generation Y Freiheit, Vielfalt, Entwicklung anders interpretiert, als ihre Väter und Mütter.

Sie verbringen mit Billigflugairlines das Wochenende in Barcelona, Paris oder London, fahren unter der Woche aber mit dem Fahrrad zur Arbeit und zum Einkaufen mit dem Car2go. Sie chatten, mailen, twittern und skypen mit virtuellen Freunden auf Facebook und geben weltweiten Strömungen eine Stimme. Vertrauen ist, was andere im Netz auch gut finden, getestet und bewertet haben, damit wird der Urlaub mehr und mehr im Internet recherchiert und gebucht. TUI kann es für diese Generation kaum besser organisieren, aber was noch wichtiger ist, bei TUI ist diese Generation skeptisch, was sie wirklich bekommen, denn sie vertrauen Internetbewertungen mehr als Hochglanzbroschüren. Doch wenn bei TUI etwas schief läuft, weiß es bald die ganze Welt, da die Unverdrossenheit innerhalb von wenigen Minuten Anhänger überall findet. In diesem Bewusstsein kann keine Führung mehr durch Boni, Motivationsseminare, weichgespülte Kommunikation, Karriereversprechen oder Sicherheit erfolgreich für das Unternehmen und die Mitarbeiter handeln. Die Generation Y fordert von den Unternehmen eine authentische Kommunikation, die sie vor, während und nach der Arbeit gleichermaßen echt erleben wollen. Es sind freie, unabhängige, virtuell vernetzte Mitarbeiter, die Projekte auf Zeit begleiten und darin ihr ganzes Potenzial entfalten.

So hat erst kürzlich Prof. Ulf Schrader in einer Studie nachgewiesen, dass LOHAS und Generation Y nicht nur ihr Konsumverhalten nachhaltiger entscheiden, sondern auch Ihren Arbeitgeber nach diesem Kriterium auswählen (siehe 1. Kapitel). Die Kernfrage ist für sie, welcher Arbeitgeber und welcher Anbieter von Produkten und Dienstleistungen verhält sich in seiner Strategie und Struktur, seinen Prozessen und seinem Verhalten glaubwürdig nach innen und außen? Intrinsisch motivierte Mitarbeiter lassen sich hier kein X für ein U vormachen, jedenfalls nicht auf Dauer.

Wer mehr über die Mythen und Fehlsteuerung von Anreizsystemen wissen will, dem sei das Buch „Punished by Rewards“ von Alfie Kohn ans Herz gelegt.[iii]



[i] Porter, M. E. (1985): Competitive Advantage: Creating and sustaining superior Performance, The Free Press, New York

[ii] Rosenberg, M. B. (2010): Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens – Gestalten Sie Ihr Leben, Ihre Beziehungen und Ihre Welt in Überein-stimmung mit Ihren Werten, Junfermann, Paderborn, 9. Auflage 2010

[iii] Kohn, A. (1993): Punished by Rewards: The Trouble with Gold Stars, Incentive Plans, A’S, Praise, and Other Bribes Houghton Mifflin Company, Boston / New York



[i] Beck, D. E. und Cowan, C. (2008): Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel: Eine Landkarte für das Business, Politik und Gesellschaft im 21. Jahrhundert, Kamphausen, Bielefeld, 2. Auflage 2008

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