Berühmt werden oder Mission erfüllen

Berühmt werden oder Mission erfüllen

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Mein erstes Leben war bestimmt von großen, ja übergroßen Visionen berühmt zu werden, einfach zu den ganz Großen dazuzugehören, gesehen, respektiert und gefragt zu sein. Der Fokus meines Daseins war bestimmt von Beruf, Karriere und Business. Kennen Sie das? Doch was ist der Sinn davon? Fühlen Sie sich deshalb gut, weil Sie jetzt ein besseres Auto fahren als Ihr Kollege oder Nachbar? Sie haben sicher auch schon gemerkt, dass es immer jemanden gibt, der noch besser ist, noch mehr Geld hat, noch angesehener ist, noch mehr Macht hat, oder? Kennen Sie doch auch. Waren Sie mit all dem wirklich dauerhaft glücklich? Und wie lange? Wenn Sie dieses Buch bis hierher noch lesen, dann deshalb, weil es in Ihnen eine Sehnsucht gibt nach etwas Sinnvollerem, jenseits von Ruhm, Status, Ehre und Macht.

Wie erkennen Sie aber sich selbst, Ihre Aufgabe, Ihre Identität und das, was jetzt zu tun ist? Indem Sie sich ganz und gar dem Moment hingeben, in die vollkommene Präsenz und Wachheit des Augenblicks. Spüren Sie die Verbindung mit der Natur und den Menschen. Nehmen Sie wie ein Teleskop, ein Seismograf oder ein Radioempfänger genau die Impulse auf, die diesem Moment gehören. Lauschen Sie in sich hinein, neugierig, offen und bereit den „unfassbaren“ Impuls zu empfangen. Diesem Impuls folgen Sie mit dem Herzen und treten in den Dienst dieser Aufgabe und Mission. In dieser Qualität sind Sie achtsam mit den Menschen, der Natur, dem Moment und sich. Sie beginnen, sich mit Ihren Bedürfnissen, Anliegen und Aufgaben zu zeigen und sich dafür verletzbar – aber auch empfänglich zu machen.

Lassen Sie mich wieder eine Metapher benutzen. Dieser Prozess ist so ähnlich wie die Geburt eines Kindes. Die Mutter macht sich empfänglich für das Kind, das kommen will. Sie kann das Wesen des Kindes nicht bestimmen und doch gibt es ihm oder ihr Ihre Qualitäten mit auf den Weg, genauso der Vater. Und auch die Geburt selbst ist kein aktiver Part der Mutter, die den Zeitpunkt der natürlichen Geburt nicht bestimmen kann, aber empfänglich bleibt für die Wehen und den richtigen Moment. Und in Ihrem Sein als Mutter leistet Sie aktive Hilfe bei der Geburt, indem sie sich völlig hingibt. Denn genau in diesem Moment ist sie völlig hilflos, dem Geburtsprozess ausgeliefert und nur in großem Vertrauen und völliger Hingabe kann sie Ihrer Aufgabe gerecht werden.

Ich weiß, jeder Vergleich hinkt, aber können Sie spüren, nachvollziehen, was ich meine? Lebensaufgabe und Mission sind nicht etwas, was wir uns erdenken oder gar aussuchen können, wie als Kinder im Spielzeugladen. Es ist eine tiefe Erfahrung auf unserem Lebensweg, die sich uns offenbart, wenn wir bereit sind, wirklich hinzuschauen, hinzuhören und hinzuspüren. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse ist ein Pionier darin, diesen Sinn erfahrbar zu machen. Als Jude wurde er wie ein Großteil seiner Familie ins Konzentrationslager deportiert und konnte insbesondere wegen seiner Überzeugungen der inneren Freiheit und dem Erkennen des Lebenssinns überleben. Er war felsenfest davon überzeugt, dass wir als Menschen selbstbestimmt leben und in jeder Situation erneut unseren Lebenssinn erfahren können. Und das gerade vor dem Hintergrund seiner Inhaftierung im KZ. Nach der Befreiung durch die US-Truppen 1945 diktierte er 1946 in nur neun Tagen das Buch „Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, von dem bis 1997 in der englischen Fassung („Man’s Search for Meaning“)[i] mehr als neun Millionen Exemplare verkauft worden sind. Die Essenz davon ist, der Sinn muss gefunden, er kann nicht gegeben und schon gar nicht erdacht werden.

Verstehen Sie, was ich meine? Nicht nur die schönen Erfahrungen, sondern gerade auch die intensivsten, vielleicht sogar essenziellsten Momente in unserem Leben offenbaren uns den Sinn und die Aufgabe unseres Lebens. Denn genau hier liegen auf einer unbewussten Ebene die Impulse für unsere Aufgabe bereit. Die gute Nachricht ist, dass wir auch gleichzeitig die Werkzeuge finden, die wir dafür brauchen. Also das ist doch eine völlig neue Sicht dessen wie ich, wie wir bisher unser Leben betrachtet haben, oder? Weg vom Schicksal hin zu einer Selbstbestimmung im Erkennen unserer Aufgabe auf unserem Lebensweg. Für mich ist das eine wunderbare Erkenntnis. Klingt fast wie eine spannende Teamarbeit zwischen Sherlock Holmes und Buddha.



[i] Frankl, V., Kushner, H. S. und Winslade, W. J. (2006): Man’s Search for Meaning: an introduction to logotherapy, Beacon Press, Boston

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