Der Integrale Unternehmerische Kompass 7.0

Der Integrale Unternehmerische Kompass 7.0

Abbildung by Stefan Götz

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Aus meiner Erfahrung als ehemaliger Strategieberater bei Roland Berger & Partner war klar, dass von den “Brightest Stars“ der Top-Consulting-Companies wie z. B. McKinsey oder Boston Consulting Group hervorragende Strategien erarbeitet werden. Gleichzeitig konnte ich aber auch feststellen, dass nicht alle dieser Strategien umgesetzt wurden. Warum eigentlich? Mir wurde immer mehr bewusst, dass Menschen keinen Strategien folgen, sondern den Energien, die sich aus einer Stimmigkeit zu dem eigenen Integralen Inneren Kompass ergeben. Auf Dauer kann niemand gegen seine Natur arbeiten, ohne dass er oder sie ausbrennt und damit deutlich unter seinem oder ihrem Potenzial bleibt. Wenn dann die Performance auf Dauer ausbleibt, trennen wir uns von solchen Mitarbeitern, ohne zu merken, dass wir vielleicht selbst gehen müssten, weil wir nur noch einer Angst folgen, nicht dazuzugehören, aber keiner inneren Überzeugung mehr folgen. Dann kommt uns das „Bauernopfer“ gerade Recht, auf das wir unsere Angst und Wut projizieren können über unseren fehlenden Mut, die Strategie selbst zu ändern oder das Unternehmen zu verlassen.

In meiner jetzigen Coaching- und Beratungstätigkeit zur Unternehmenskultur und Potenzialentwicklung in Unternehmen, kann ich immer mehr feststellen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt, wenn also eine orange Konkurrenzkultur mit Machtkampf herrscht, die eher einem Krieg gleicht, finden wir das Unternehmen auch sehr oft in Verdrängungsmärkten wieder, nämlich dort, wo sie den Krieg austragen können. Vergessen Sie nicht: Wir leben unsere Überzeugungen nach innen und außen.

Das Potenzial im Integralen Inneren Kompass

Stellen Sie sich bitte einmal vor, wie es wäre, wenn in einem Unternehmen jedes Mitglied des Führungsgremiums in einem persönlichen intensiven Prozess seinen eigenen Integralen Inneren Kompass – also seine Vision, Mission, Lebensaufgabe, Identität, Werte und Überzeugungen – erforscht, aus dem heraus es täglich handelt, und aus dem er oder sie strategische Entscheidungen fällt und seine Mitarbeiter tagtäglich führt. Glauben Sie nicht, dass es für die Qualität der Potenziale des Unternehmens essenziell wichtig ist zu sehen, aus welchem Integralen Inneren Kompass Sie handeln und führen? Und wenn das schon für Sie zutrifft, dann umso mehr für Ihre Kollegen und Mitarbeiter aus allen Bereichen, oder?

Meine Erfahrung ist, dass sich auf der persönlichen wie auf der unternehmerischen Ebene eine völlig neue Qualität der Stärke der Ausrichtung ergibt, wenn dieser Aspekt berücksichtigt werden kann. Und das hilft allen – Ihnen, Mitarbeitern, Partnern und Kunden, denn das, was hierbei entsteht, sind nicht nur Produkte und Dienstleistungen mit einer neuen Qualität, die dem gelben Bewusstsein 7.0 entspricht, sondern eine authentisch-nachhaltige Wertschöpfungskette, die von den Kunden 7.0 auf ganz besondere Weise honoriert wird oder sogar zur Bedingung gemacht werden wird. In der Zukunft der Märkte 6.0 und 7.0, auf denen sich viele Produkte ähneln oder gar austauschbar sein werden, wird eben viel entscheidender sein, wie und auf welche Art und Weise sie hergestellt werden und wie mit ökologischen und sozialen Ressourcen umgegangen wird.

Einige von Ihnen als Konzern-Manager werden sich jetzt vielleicht fragen, wie das in einem controllinggetriebenen Konzern, in dem alle zwei bis vier Jahre die Manager wechseln, funktionieren soll? Dann frage ich Sie, wer macht denn die Strategien? Roboter oder Menschen? Wer entscheidet denn, welche Strategie letztlich genommen wird? Und auf welcher Basis wird entschieden? Welche Bedeutung, glauben Sie, wird da der Integrale Innere Kompass des Führungsgremiums haben? Oder glauben auch Sie noch an den „homo oeconomicus“, der objektiv, rational, optimal entscheidet, so wie wir es damals an der Uni gelernt haben? Vielleicht werden Sie mir noch entgegenhalten, dass der Integrale Innere Kompass der Führungsmannschaft eine Rolle spielen mag bei strategischen und Führungsentscheidungen, aber es doch einen Unterschied von beruflich und privat gäbe, sodass wir dann zwei Kompasse verwenden müssten.

Vielleicht ist Ihr Verhalten verschieden in diesen Bereichen, also in Ihrem Job sind sie „tough“ und zu Hause eher „soft“. Oder es ist so, dass Sie im Job durchgetaktet sind und zu Hause ohne strengen Terminplan leben. Trotzdem überlegen Sie bitte, welche Konsequenzen es für Sie und das Unternehmen gleichermaßen haben muss, wenn Sie auf Dauer zwischen 8 und 18 Uhr nach einem „aufgesetzten“ Integralen Unternehmerischen Kompass handeln und zwischen 18 und 8 Uhr ihrem Integralen Inneren Kompass folgen, der völlig entgegengesetzt wirkt. Können Sie sich vorstellen, welche Reibung dabei entsteht? Welche innere Zerrissenheit? Welche Energie und Potenziale verschwendet werden? Und was wäre, wenn es einen Dialogprozess gäbe für das Führungsgremium, in dem die Vielfalt der Integralen Inneren Kompasse in einem ersten Schritt erforscht und wertgeschätzt würden. Zu wissen, was meinen Kollegen wirklich antreibt, wofür er steht, was ihm oder ihr wirklich wichtig ist, was Bestand und Bedeutung jenseits des Strategie-Papiers für ihn oder sie hat, könnte eine völlig neue Kraft, Stimmigkeit und Potenziale entstehen lassen für eine dauerhaft erfolgreiche Strategie, die sich aus dem fundamentalen inneren Potenzial jedes Einzelnen nährt.

Jetzt werden Sie sich fragen, wie soll das denn zwischen all den Alphatieren gehen, die sich jetzt schon kaum „riechen“ können? Gute Frage, denn das klingt unüberwindlich. Trotzdem frage ich Sie zurück, wie lange können Sie sich das unternehmerisch noch leisten, wenn gleichzeitig von der neuen Generation Y das Bewusstsein 7.0 erfolgreich am Markt gelebt wird und unbemerkt an Ihnen vorbeizieht? Weil sie es nicht wahrnehmen können oder wollen?

Bedeutet Unternehmertum nicht gerade auch, Potenziale zu entfalten? Und welche Potenziale wollen Sie denn entfalten, wenn nicht die Ihrigen und die Ihrer Mitarbeiter? Innovationen kommen (noch) nicht von Robotern. Man muss sich im Führungsgremium nicht in den Armen liegen, um seinen eigenen Integralen Inneren Kompass zu erforschen. Alphatier kann auch bleiben, wer mutig als Erster vorangeht und unterstreicht, weshalb er sich als Alphatier sieht und weshalb er Führungsperson ist. Also Menschen mit einer Begabung und einem Willen, kein Mitläufer, sondern fähig, weitere Führungspersonen neben sich zu entwickeln. Dann bedeutet Alphatier Achtung und Achtsamkeit gegenüber der eigenen Mission und Lebensaufgabe und der von Mitarbeitern, oder?

Beispiele aus der Praxis belegen, dass dieser Ansatz nicht nur machbar ist, sondern dem Unternehmen im Führungsgremium einen völlig neuen „Drive“ geben kann. Woran liegt das? In einem Gespräch mit einem mittelständischen Unternehmer, Johannes Werbach von NewTec, erfuhr ich dazu Folgendes:

„Im Führungskreis haben wir Ende 2012 beschlossen, dass wir unsere innovative Kultur weiter entwickeln und entfalten wollen zu einer Potenzialentfaltungskultur. Was wir damit beabsichtigen ist, das ganze Potenzial, alle Talente unserer Mitarbeiter in allen vier Quadranten zu entfalten, wenn sie es möchten. Dieser Schritt hat unseren Führungskräften eine nachhaltige, integrale Vision gegeben, für die sie sich jeden Tag aufs Neue gerne einsetzen. Sie haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie Erfolge erzielen können, Ergebnisse einfahren und Innovationen erfolgreich auf den Markt bringen können. Aber jetzt öffnet sich ein völlig neues Fenster, Mitarbeiter zu fördern, entwickeln und wachsen zu sehen. Was gibt es Schöneres, als zu erfahren und zu erleben, als wenn Mitarbeiter über sich hinauswachsen? Wenn sie eine „sinnvolle“ Tätigkeit machen und gerne selbstständig einen Beitrag am Unternehmen leisten.“

Gehen Sie doch mal in diese Unternehmen. Lassen Sie sich inspirieren. Je mehr Sie sich dafür öffnen, desto mehr Beispiele werden Sie finden, wie das wirklich gehen kann. Und das Beste ist, Sie müssen ja nicht gleich alles kopieren, eben kein Benchmarking machen, sondern die reine Inspiration nutzen, um zu überlegen, wie es für Sie, Ihren Bereich, Ihr Unternehmen zu passenden Umsetzungen kommen könnte.

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