Ellen MacArthur – Circular Economy: Rethinking the Future

Ellen MacArthur – Circular Economy: Rethinking the Future

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Ellen MacArthur, eine der weltbesten SeglerInnen, hat sich zeit Ihres Lebens mit dem Segeln beschäftigt, immer wieder eigene Grenzen verschoben, und als Sie dann alle Rekorde eingestellt hatte, war es Zeit für einen Neuanfang in Ihrem Leben. Sie hatte eines der Grundprinzipien des Lebens auf dem Meer gelernt: nicht nur mit Ressourcen und dem, was auf dem Boot war, hauszuhalten, sondern auch den Zyklus der Natur zu verfolgen und verstehen zu lernen, dass es in der Natur keinen Müll gibt. Denn für den Kreislauf der Natur wird alles gebraucht, was in der Natur entsteht und verfällt. Es ist die „Nahrungskette“ der Natur, scheinbarer „Müll“ ist das Kapital für alle Früchte der Natur. Nur bisher funktioniert unsere Wirtschaft genau entgegengesetzt, wir betreiben in exponentiellen Zeiten eine „Linear Economy“ anstatt einer „Circular Economy“ und kommen auch dadurch an die Grenzen des Wachstums.

Stellen Sie sich bitte mal vor, Sie könnten im Zeitraffer einen Tag lang einen Jahreszyklus im Wald, am Berg, am See oder am Meer verbringen. Im Schnelldurchlauf die einzelnen Veränderungen der Jahreszeiten beobachten, wahrnehmen, sehen, hören und spüren. Nehmen wir an, Sie stünden neben einem Baum, was könnten Sie erleben? Wenn Sie, so wie ich gerade, im August neben einem Obstbaum von Äpfeln oder Zwetschgen stünden, könnten Sie die Reife des Baums erleben, mit Früchten vollhängend, die bald geerntet werden. Nach der Ernte werden die Tage wieder kürzer, das Sonnenlicht weniger intensiv und der Herbst zieht ein. Es ist die Zeit des Loslassens. Sie werden Zeuge von wunderschönen Blättern in den Farben gelb, braun und rot. Vielleicht haben Sie Erinnerungen an Bilder des Indian Summers an der Ostküste der USA oder an den Ahornboden in der Nähe von Garmisch Partenkirchen. Mit der Zeit werden die Bäume kahler, Blätter fallen zur Erde und beginnen zu verrotten, denn sie werden als Humus gebraucht für einen neuen Kreislauf des Baumes nach dem Winter, der Zeit von Einkehr und Besinnung, in der sich der Baum auf den Frühling vorbereitet, in dem er dann seine Knospen entfaltet und Kraft zieht aus den Nährstoffen des Humusbodens des Vorjahres.

Das ist der Kreislauf der Natur, ein perfekt aufeinander abgestimmtes, sich bedingendes System, das den Müll = Blätter nicht nur braucht, sondern geradezu vorwegnimmt, er ist Teil des Designs. Aus diesen Beobachtungen der Natur und den intensiven Erfahrungen auf dem offenen Meer, 2500 Meilen entfernt von jeder Zivilisation, verbunden mit ihrem grenzenlosen Optimismus und dem Wunsch, einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten, hat Ellen MacArthur begonnen zu hinterfragen, wie sich das bestehende „entweder oder“ von Ökologie und Ökonomie in ein neues Miteinander entwickeln könne. Nach Jahren des Lernens, der Begegnung mit Wissenschaftlern, Unternehmern und politisch Verantwortlichen gestaltete Sie das Grundprinzip der „Circular Economy“.

Mit dieser Idee war Sie nicht alleine, denn der deutsche Öko-Visionär Michael Braungart, Chemiker, Verfahrenstechniker und ehemaliger Greenpeace Umweltaktivist hatte bereits 2002 zusammen mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough das Buch namens „Cradle to Cradle“ – also von der „Wiege zur Wiege“ geschrieben. „Wenn die Menschen nur alle die Produkte richtig designen, sodass sie entweder vollkommen kompostierbar oder vollkommen in wiederverwertbare Teile zerlegbar sind, können sie Schluss machen mit dem Ressourcensparen“[i], sagt Braungart. Im September kommt sein nächstes Buch heraus: „Intelligente Verschwendung – The Upcycle: Auf dem Weg in die Überflussgesellschaft“. Bill Clinton, hat das Vorwort dazu geschrieben. Die Botschaft ist so einfach wie wirksam. Wachstum ist keine Energiefrage, sondern eine Frage des Materials und des Designs. Ein Produkt darf nie ein „Hybrid“ sein. Es muss entweder völlig aus abbaubaren oder aus nicht zerfallenden Stoffen bestehen.



[i] Borchhardt, A. (2013): Kein Müll: Der Öko-Visionär Michael Braungart arbeitet an einer Zukunft, in der alles wieder verwertbar ist. Er will eine Welt ohne Abfall, eine Welt zum Prassen. Damit macht er sich nicht nur Freunde, in SZ vom 21. 8. 2013, Süddeutscher Verlag, München, S. 3

Photo Ellen MacArthur by Chatham house

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