Elon Musk: Multi Visionär, Macher, Musterbrecher

Elon Musk: Multi Visionär, Macher, Musterbrecher

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Wenn Musk, wie inzwischen üblich, seine Projekte twittert und bespricht, sorgt dies schon seit Längerem bei Fachleuten für Staunen, bei Laien für Verwunderung und bei Anlegern für Begeisterung. [i] Die „Zeit“ hat ihn einmal als „Musk, das Genie“ bezeichnet. Es war spöttisch gemeint. Aber möglicherweise ist er tatsächlich eins. [ii] Und doch wirkt Elon Musk auf den ersten Blick etwas scheu, unsicher und zurückhaltend, geradezu bescheiden gegenüber seinem Publikum, wenn er über seine Visionen erzählt.

Ähnlich wie Sir Richard Branson, britischer Multimilliardär und Eigentümer des Virgin Imperiums (Virgin Records, Virgin Store, Virgin Atlantic – Express & Blue Airlines, Virgin Atlantic Challenger II, Virgin SpaceShipTwo, Virgin Racing, Virgin Oceanic, Virgin Trains, Virgin Fuel…, liebt er es, bestehende Paradigmen in Frage zu stellen, aber anders als andere sucht er sich dafür nicht medienwirksame Auftritte für seine „David gegen Goliath Unterfangen“. Er pflegt den schlichten, zurückhaltenden Auftritt. Und was ihn noch unter-scheidet, er setzt sein Wissen und Können alleine für Visionen ein, die die Kernfragen des Planeten des 21. Jahrhunderts lösen sollen.

Das Erzeugen und Verwenden erneuerbarer Energien und das Leben nach der Erde. Seine bisherigen Unternehmungen haben ganze Branchen aufgemischt, das Kapital dazu hat er aus dem Verkauf von Paypal an ebay 2002 gewonnen. Er hat die Energie-Versorgung demokratisiert (Solar City), Mobilität elektrisiert (Tesla), Marsflüge ökonomisiert (Space X) und Transportzeit reduziert (Hyperloop). Seine visionäre Kraft bezieht er aus dem Bedürfnis nach Anerkennung und damit dem Ego. „Groß auf Pappe aufgezogen, hängen an den Wänden die Titelseiten der Magazine Wired und Inc. und eine lange Fotostrecke aus Vanity Fair. Das Motiv ist immer das gleiche: Elon Musk, das Genie.“ [iii]

Gleichwohl, was ihn auszeichnet, stellt er seine Fähigkeiten in den Dienst der Gesellschaft. Exzellentes technisches Verständnis, holistische Visionen gepaart mit einem hervorragendem Business Gespür sind es, die ihm tagtäglich dabei helfen, Lösungen für die drängenden Fragen unserer Gesellschaft zu finden. Dafür findet er in Kalifornien, der achtgrößten Volkswirtschaft der Erde, den richtigen Nährboden. Ein cooles Umfeld mit Business Sens und Technologie (Apple, Intel, Oracle, facebook, Google, Yahoo), um Antworten zu finden für drängende Probleme bei Energie und Mobilität. Ihm ist nicht nur klar, wie vielen anderen, dass Öl eine endliche Ressource ist, die enorme klimatische Probleme und Smogalarm in vielen Mega Cities verursacht, langfristige gesundheitliche Probleme nicht ausgeschlossen, sondern er handelt auch. Dabei kommen Elon Musk die höchsten umweltpolitischen Anforderungen an Mobilität in Kalifornien gerade recht. „1990 führte das Californian Air Resources Board (kurz: CARB) ein „Zero-Emission-Program“ ein, das den Autoherstellern vorschrieb, dass bis 1998 mindestens zwei Prozent (…) und bis zum Jahr 2018 unter allen neu zugelassenen Autos in Kalifornien mindestens 18 Prozent an Zero-Emission-Vehicles (ZEV) sein müssen.“ [iv]

Was ihn treibt, ist nicht die große Show, der große Auftritt. Er sucht die technologische Herausforderung für nachhaltige Lösungen auf unserem Planeten. Er ist kein Träumer, sondern ein besessener Techniker, der seine Visionen pragmatisch angeht. Er gilt als jemand, der alles selbst entscheiden will. Kompromisse mag er nicht und Gefühle zeigt er nicht. „Von sich selbst sagt er „Ich bin ein Hardcore-Atheist. Märchen sind was für Kinder.“ (Kohlenberg 2009) „Möglicherweise ist es gerade diese introvertierte Art, mit der Musk die Großen der Autoindustrie für sich einnimmt. Die Branche wird von Ingenieuren dominiert, Musk ist Naturwissenschaftler. Er spricht die Sprache der Techniker, kann über Energiekoeffizienten oder Thermodynamik fachsimpeln. Auch Akio Toyoda erlag Musks sprödem jungenhaften Charme. Die beiden trafen sich erstmals im April zum Frühstück in Musks Villa in Bel Air. Aus dem einstündigen Meeting, berichtet „Wired“, sei ein ganzer Tag geworden. Der Chef des weltgrößten Autoherstellers jagte in Musks Roadster über den Freeway 405, Musk zeigte Toyoda Videoclips seiner Raketenstarts. Man verabredete, in Kontakt zu bleiben.“ (Hillenbrand 2012) Die Mitarbeiter bei SpaceX sagen, was wirklich herausragend ist, dass er anscheinend keine Angst vor dem Versagen hat. „Aber ich denke, ich habe schon ein bisschen Angst davor“, sagt Musk. „Ich glaube, was sie meinten war, dass ich alle ermutige Risiken einzugehen.“ Risiken geht er gerne ein, wenn er seine eigenen Grenzen testet, mit seinem McLaren F1 – Höchstgeschwindigkeit 391,23 Kilometer pro Stunde – oder seinem tschechischen Kampfjet des Typs Aero L-39. Sein Cousin und Solar City-Chef Lyndon Rive sagte einst „ein normaler Workaholic sei nüchtern im Vergleich zu ihm“. (Klooß 2013)

Was Elon Musk interessant macht für ein integrales Bewusstsein

Es ist die Art der Vision. Es geht nicht nur um herausragende technologische Errungenschaften, es geht schlicht um Grundfragen der Menschheit, und er stellt sein Können in den Dienst dieser Aufgabe. Dass die Grundlage dafür ein egoistisches Streben nach Anerkennung ist, macht ihn wieder menschlich und berührbar, allerdings zahlt er dafür einen immens hohen Preis, denn er sieht seine 5 Kinder kaum aufwachsen, arbeitet 100 Stunden die Woche, verzichtet auf die Liebe seiner zwei geschiedenen Frauen und „muss“ alles selber machen, entscheiden, repräsentieren, auf den Weg bringen und zum Durchbruch verhelfen mit allen finanziellen, technischen und zeitlichen Ressourcen, die er hat.

Woher kommt dieser visionäre Erfindergeist

Elon Musk, geboren 1971, ist in einer wohlhabenden südafrikanischen Familie mit 2 Geschwistern aufgewachsen. Der Vater ein Maschinenbauingenieur, die Mutter, Maye Musk, Model und Ernährungsspezialistin. Er wird früh eingeschult und bald als hochbegabt eingestuft, Freunde in der Schule findet er kaum, dafür interessiert er sich schnell für das Programmieren und verkauft bereits mit 12 sein erstes Videospiel für 500 Dollar. Auch die Börse fand schnell sein Interesse und bewegte sein Mutter, 1.000 Dollar in eine Pharmaaktie zu investieren, deren Wert sich binnen einem Jahr verdreifachte. Als die Mutter die Aktie deshalb verkauft, ist er verärgert, denn er glaubte daran, dass sich der Wert noch weiter nach oben entwickeln würde. Noch schlimmer für ihn war jedoch die Tatsache, dass der Gewinn gleichmäßig auf alle Kinder aufgeteilt wurde, hatten die doch damit gar nichts zu tun.

Mit 17 verließ er Südafrika, die Mutter folgte ihm mit seiner Schwester Tosca nach Kanada, denn die Eltern hatten sich scheiden lassen. Zunächst geht er an die Queen’s University im kanadischen Ontario, später in den Vereinigten Staaten zur University of Pennsylvania an die Eliteschule Wharton. Dort graduiert er in Wirtschaft und Physik. 1995 geht der damals 24-Jährige nach Stanford, um dort seine Promotion zu machen. Doch nach nur zwei Vorlesungen schmeißt er hin, als er sieht, wie überall um ihn herum Leute in seinem Alter sagenhafte Geschäfte mit ihren kleinen Internetfirmen machten. Getrieben von der Angst, bei der größten Veränderung des Jahrzehnts nicht dabei zu sein, gründete mit seinem Bruder Kimbal Zip2, eine Online-Firma, die Inhalte für Medienunternehmen anbot. Die Mutter gab das Startkapital, vier Jahre später kaufte die Computerfirma Compaq Zip2 für 307 Millionen Dollar. Das war der Durchbruch für den Multi-Visionär, Macher und Musterbrecher für alle weiteren Abenteuer.


[i] Klooß, K. (2013): SpaceX, Hyperloop. Die Welt von Elon Musk, Manager Magazin Online vom 13.8.2013, Abruf unter http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/spacex–hyperloop-die-welt-des-elon-musk-a-916336.html

[ii] Hillenbrand, T. (2012): Tesla-Chef Elon Musk. Der Renaissance-Mann, Manager Magazin online am 17.11.2010, Abruf am 12.8.2013 unter http://www.manager-magazin.de/lifestyle/auto/a-729412.html

[iii] Kohlenberg, K. (2009) >> Der Mann, der zu Mars will <<, Zeit online am 19.6.2009, Abruf am 12.8.2013 unter http://www.zeit.de/2009/02/DOS-Raketenmann/komplettansicht

[iv] Pander, J. (2012): Mobilitätswandel: Wie Kalifornien der Autowelt die Trends diktiert, Spiegel online am 30.11.2012, Abruf am 12.8.2013 unter http://www.spiegel.de/auto/aktuell/strenge-abgasvorschriften-kalifornien-setzt-in-der-autoindustrie-die-trends-a-868966.html

Photo Elon Musk: Flickr / TED Conference

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