Aufwachen aus dem Burn-out öffnet Potenziale

Aufwachen aus dem Burn-out öffnet Potenziale

Wöchentliche Inspirationen aus meinem neuen Buch „Change Leader inside“

Was heißt eigentlich Burn-out? Das kommt darauf an, welche Perspektive Sie einnehmen. Wenn Sie dem medialen Getöse glauben wollen, dann ist es die schlimmste Epidemie nach der Pest und Cholera. Demnach sind wir der Krankheit hilflos ausgeliefert. Aber wer oder was brennt denn wirklich aus?

Was wäre, wenn Burn-out neben der körperlichen Krankheit auch eine Krankheit der Sinne und des Bewusstseins ist? Was wäre, wenn wir ganz generell ausgebrannt sind, leer und ideenlos? Wenn wir kein Bewusstsein für Sinn, keine Rezepte für Veränderung, keine Inspirationen mehr haben dafür, wie wir mit der Komplexität und den Paradoxien im Leben umgehen sollen? Was ist, wenn wir als Führungspersonen orientierungslos sind, weil wir zum ersten Mal keine Ahnung mehr haben, wie es weiter gehen kann? Wenn auch das alles Burn-out bedeutet, dann – lassen Sie das bitte auf sich wirken – haben wir die wirklich größte Chance der Menschheitsgeschichte, aus dem Burn-out aufzuwachen für einen neuen Weg. Denn nur der, der keine Konzepte mehr darüber hat, wie „etwas zu gehen hat“, kann offen sein für Impulse, wie es stattdessen gehen kann. Genau diese Offenheit bedingt aber zuerst eine Akzeptanz der Orientierungslosigkeit. In diesem Sinne wird uns der Burn-out den Weg weisen. Aufwachen aus dem Burn-out heißt anzuerkennen: Ein neues Paradigma startet eine neue Ära! Alles was es braucht, ist Vertrauen. Denn diesen neuen Weg kennen wir noch nicht und wir müssen ihn auch nicht kennen – im Gegenteil – wenn wir schon wieder nach einem nächsten festen Konzept greifen würden, könnten wir die Potenziale, die es erst zu entdecken und zu entfalten gilt, gar nicht erkennen und nutzen.

 

Also was könnte der Weg sein? Präsenz!

Mit allen Sinnen, mit Hirn, Herz und Bauch im Hier und Jetzt sein, kein Aktionismus, nicht sofort handeln, tun oder machen, sondern erst einmal wahrnehmen, was überhaupt ist. Wenn Sie gern segeln, dann wissen Sie, dass Sie Ihr Ziel nicht gegen den Wind, sondern nur mit dem Wind erreichen können. Und genau das ist die Kunst. Auf dem offenen Meer, wo die Natur, der Wind, das Wetter und die Wellen das Handeln bestimmen, bedarf es der Wahrnehmung dessen, was gerade ist, um ein Handeln aus dieser Präsenz zu bestimmen. Da sind wir auf Empfangsmodus und nicht auf Sendemodus. Wenn wir auf hoher See mit dem Kopf durch die Wand wollten, könnte das sehr anstrengend, ungemütlich und manchmal lebensgefährlich werden. Sie kennen das Sprichwort der Segler: „Es gibt mutige und es gibt alte Segler. Es gibt aber nur wenige mutige und alte Segler.“

Wenn wir jetzt aufwachen aus dem Blindsein gegenüber dem, was gerade wirklich stattfindet, und wenn wir wach und achtsam sind, dann wird daraus – oft in einem beruhigten, stillen Moment – ein neuer Weg erkennbar werden, und in diesem ist es uns möglich, unser Potenzial für diesen Weg zu entdecken und zu entfalten. Also werden wir – um im Bild des Segelns zu bleiben – die Segel richtig setzen und vielleicht sogar ein anderes, stimmigeres Ziel erreichen als das, von dem wir am Beginn geleitet worden waren. Und genau dieses Nicht-Wissen-Können und Nicht-Wissen-Wollen eröffnet eine völlig neue Qualität des Denkens und Handelns: ein Mehr an Stimmigkeit in unserer Gesellschaft, in unseren Unternehmen, in unseren Familien, überall dort, wo wir in Beziehung sind. Das erfordert sehr viel Mut und Vertrauen in das Leben, in den Prozess, in sich und in die anderen. Viele von uns haben aufgrund schlechter Erfahrungen in unserer sozialen Umgebung und unseren Arbeitskontexten sich selbst als Opfer ausgemacht, die nur gebraucht werden, um zu funktionieren und sich einem Unternehmens-Ziel unterzuordnen, das einseitig der Rendite dient. Nur haben wir dabei vergessen, dass wir die einzige Spezies auf dieser Erde sind, die wirklich frei ist. Frei zu interpretieren zwischen einem Stimulus und einer Reaktion. Selbst Menschen, die unter schlimmsten Umständen ihr Leben verbringen mussten – zum Teil menschenverachtend – haben deutlich gemacht, dass man ihnen alles nehmen konnte, nur nicht die Freiheit des Denkens und die Würde. Denken Sie an Mandela und Gandhi.

 

Also, was heißt es, wenn wir Burn-out sind?

Wir erkennen in unserem Handeln keinen Sinn und sehen für uns keine Freiheit im Denken mehr. Also schalten wir auf einen Notfallplan um, der da heißt: Funktionieren. Man könnte auch sagen „Augen zu und durch“, weil wir nicht wissen, geschweige denn verstehen wollen, was um uns herum geschieht. Wir wollen auch nicht nachfragen und hoffen, dass alles bald vorbei ist – wie eine vorbeiziehende Gewitterfront. Das ist Burn-out! Wenn wir keinen Sinn in unserem „Höher – Besser – Schneller“ mehr sehen. Wenn wir keinen Ausweg wissen, uns der Mut und das Vertrauen verloren gegangen sind. Wenn wir nicht mehr glauben, dass wir frei sind – frei zu entscheiden und einen besseren Weg zu wählen, frei vorauszugehen, wenn andere den Blick für den Wandel schließen. Und doch hatten wir alle dieses Vertrauen und diesen Mut schon einmal, als Kinder, die die Welt neugierig und ohne Furcht entdeckt haben. Nichts und niemand konnte uns stoppen, das Laufen zu lernen. Und wir haben nicht bei jedem Hinfallen überlegt: „Wie sieht das jetzt aus? Was wird der Nachbar denken? Werde ich es jemals schaffen?“ Wir waren in unserem Wunsch nach Wachstum und Entwicklung nicht zu bremsen. Heute rennen wir oft mit Scheuklappen unseren Idealen hinterher, die keinen Sinn mehr stiften, weil sie nur noch einen Selbstzweck haben. Immer mehr haben, machen, erreichen wollen, immer mehr Macht haben.

Die große Chance der heutigen Situation mit dem dramatischen Anstieg der vom Burn-out Betroffenen liegt darin, dass wir aus diesem Leiden, aus diesem Funktionieren aufwachen können, weil wir erkennen, dass wir alle einen Sinn und eine Aufgabe haben, die in uns natürlicherweise angelegt ist. Wir müssen nicht blind irgendwelchen fremden Zielen hinterherjagen. (Dieser Gedanke ist nicht leicht zu denken, probieren Sie es doch trotzdem.)

Der Göttinger Professor für Neurobiologie Gerald Hüther beschreibt ein ähnliches Verhalten bei Lachsen

 

 

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